Manchmal kommen mir solche Gedanken.
Was bleibt, wenn ich gegangen bin?
In hundert Jahren (wahrscheinlich früher) wird niemand mehr wissen, dass ich jemals gelebt habe. Keiner wird sich an mich erinnern.
Ich hatte Urgroßeltern, aber ich weiß nichts über sie, wer sie waren und wo sie lebten. Alles ist verloren gegangen. So wird es auch mit mir sein.
Aber auch zu unseren Lebzeiten können wir das Gefühl von Unsichtbarkeit haben. Wenn wir keine Familie haben, keine Freunde, niemanden, der sich um uns sorgt. Wir wissen, wir sind da, aber was würde es für einen Unterschied machen, wenn wir weg wären? War unser Leben von Bedeutung oder haben wir nur irgendwie existiert?
Solche Gedanken könnten mich gut in eine Lebenskrise stürzen.
Ich bin nur seit ca. 50 Jahren Christ. Da heißt, ich bin seit 50 Jahren ein Lernender, ein Schüler. Diese Schule ist etwas Besonderes. Der Lehrstoff ist oft heftig, und es geht schon mal an meine Grenzen. Das Scheitern ist Teil des Lehrplans. Es gehört dazu. Manchmal hat man Antworten, ohne die Frage zu verstehen. Manchmal türmen sich die Fragen zu einem Gebirge auf. Anstrengende Wege sind zu gehen und Abenteuer zu bestehen, und ohne es zu merken, lernt man. Man entwickelt sich. Zuerst spürt man es nicht, aber im Rückblick wird es sichtbar. Es hat sich etwas verändert.
Eines kann ich nun mit Gewissheit sagen: Gott sieht mich.
Er ist manchmal unverständlich und scheint auch manchmal fern zu sein, aber er sieht mich. Es ist nicht dieses unangenehme Beobachtetwerden.
Keine angsteinflößende Verfolgung.
Es ist ein Verstehen. Gott sieht tiefer in mein Herz, als ich es kann, und er schaut mit Liebe. Ich weiß, dass ich es nicht wirklich erklären kann. Man muss es erleben. Worte greifen zu kurz.
Dass Gott mich sieht, tut mir unglaublich gut. Ja, er sieht auch das, was nicht gut an mir ist, aber er schaut mit heilenden Augen darauf. Gott ist kein ungnädiger Richter, kein Zerstörer. Er ist Heiler, Wiederhersteller. Aus ihm entspringt das Leben.
„Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.“ Psalm 139,3
Es scheint mir so, als wäre dieser Psalm aus der Not heraus geschrieben. Der Autor hat Feinde, aber er weiß sich auch in Gott geborgen.
Es ist egal, wie mir diese Welt entgegenkommt. Ich bin nicht alleine. Da ist jemand auf meiner Seite und an meiner Seite. Auch in den Momenten, in denen ich keine Wahrnehmung dafür habe.
Dann kann ich auch in den einsamen Momenten Freude empfinden.
„Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“ Psalm 139,6