Ein kleines Wort.

Könnte es sein, dass das wichtigste Wort der menschlichen Sprache das Wort „warum“ ist?

Vor einigen Jahren war ich mit einer Jugendgruppe als Betreuer in Taize. Nach den all morgendlichen Bibeleinführungen trafen wir uns, um das gehörte auf zu arbeiten. Ich tat mich schwer, denn diese Bibeleinführungen warfen viele Fragen auf und waren sehr komplex und tiefschürfend. Bei einem Treffen mit einem Bruder erzählte ich davon. Er schaute mich verständnisvoll an und sagte: „Du bist nicht hier um Antworten zu geben, sondern um die richtigen Fragen zu stellen.“ Dieser Satz vermischte sich mit der Aussage von Hubertus Halbfas, das Antworten unser Leben umstellen und wir wieder lernen müssen zu fragen. Sein Buch, „Der Sprung in den Brunnen“ hat mich damals sehr bewegt.

Im Laufe der Jahre ist mir sehr deutlich geworden, dass ich schnell dabei bin, wenn es darum geht eine Antwort zu geben. Als Mann macht sich das gut. „Mann“ will ja auch alles im Griff haben. Es ist recht leicht eine schnelle Antwort auf eine Frage zu geben, viel schwerer ist es zu sagen:“ Ich weiß es nicht“. Kann es sein, dass es uns Menschen weiter voran bringt, wenn wir öfters nach dem Warum fragen? Ist denn wirklich immer alles so alternativlos? An der richtigen Stelle, kann die Frage nach dem Warum zum Nachdenken bewegen. Wenn ich glaube die Antwort schon zu wissen, brauche ich mich nicht mehr anzustrengen, muss nicht mehr Nachdenken. Nachdenken kostet Zeit. Einer Aussage oder einem Ereignis „NACH“ zu denken, hinterher zu denken macht schnell uncool. „Mann“ ist dann nicht mehr das Zentralgestirn, sondern ein Beobachter, Hörer und Forscher.

Ich habe das immer mal wieder ausprobiert und bei einer mutig und schnell vorgetragenen Antwort die Frage gestellt:“Warum“? Oft habe ich dann ein Erstaunen oder sogar Ausflüchte erlebt. Weil die gegebene Antwort nur eine Vermutung, vielleicht sogar Geplapper war.

Erstaunlich finde ich, das die Bibel und das Christentum die Frage „Warum“, gut verträgt.

Paulus fordert uns ja sogar zum Nachdenken heraus. (1 Thess 5,21). Der christliche Glaube kann das ab, ja braucht es sogar. Ein blindes Nachbeten ist fatal und führt in die Enge. Gott wird, so glaube ich, gerne gefragt. Auch wenn wir nicht auf alles eine Antwort erhalten, das Nachfragen führt uns in die Erkenntnis und manchmal ist es schlau, sich selbst zu fragen warum man dies oder jenes tut oder denkt.

Lassen wir uns also nicht hineinsaugen in diesen Sog des allwissenden Zeitgeistes. Bleiben wir wachsam mit der Frage: „Warum ist das eigentlich so?“

Es grüßt: Michael

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